Geschichtliches - Die Chronik des Vereins

Zu dem tatsächlichen Gründungsjahr des Breidenbacher Obst und Gartenbau Vereins gab es lange Zeit keine gesicherten Hinweise. In der kleinen Broschüre von Karl Huth aus dem Jahr 1963 „Breidenbach Mittelpunkt einer historischen Kleinlandschaft“ wird der Gartenbau Verein unter den  örtlichen Vereinen mit dem Gründungsjahr  1910 genannt. Dieser Hinweis erfolgte wahrscheinlich in Folge von mündlichen Überlieferungen, denn ein schriftlicher, oder urkundlicher Beleg lag bis dahin nicht vor.

Im Zusammenhang mit dem 100 jährigen Bestehen des Kreisverbandes der Obst und Gartenbauer im Jahr 2011, und den  damit verbundenen Nachforschungen in dem Archiv des Hinterländer Anzeigers, gab es aber konkrete Belege für die Existent des Breidenbacher Gartenbauvereins.

Als  in  1910 auf Initiative des damaligen Landrats Dr. Daniels, die Gartenbauvereine im damaligen Kreisgebiet zur Bildung eines Kreisverbandes der Obst und Gartenbauer eingeladen wurden, war der Gartenbau Verein Breidenbach dabei und zählt somit zu den Gründern des Kreisverbandes.

Ein weiterer Beleg gibt es ebenfalls aus dem Jahr 1910, als sich die Breidenbacher Gartenbauer mit einer eigenen Ausstellung auf der Landesgartenschau in Frankfurt darstellten und für ihre Ausstellung mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet wurden. Die Landesgartenschau fand anlässlich des 25 jährigen Bestehen des Landesverbandes statt.

Über die weiteren Aktivitäten des jungen Vereins gibt es keine verlässlichen Unterlagen. Ganz sicher war der Verein aber an einer größeren Pflanzaktion auf einem Gemeindegrundstück "Hinterm Leiseköppel" beteiligt, auf dem unter der Leitung des Baumwartes Johannes Milchsack eine Obstbaumplantage mit 138 Bäumen angelegt  wurde. Noch in den ersten Nachkriegsjahren, 1950/60  wurde das Obst auf dieser Anlage versteigert. Bedauerlicher Weise wurde dieses Grundstück später aufgeforstet.

Das Vereinsgeschehen wurde durch den ersten Weltkrieg und die Wirren der Nachkriegszeit empfindlich gestört, und erst in 1931 wurde die Vereinsarbeit wieder aktiviert. Ab diesem Zeitpunkt wird die Existenz des Gartenbau Vereins nachgewiesen, denn es liegen für alle Jahre danach schriftliche Protokolle vor.  

Durch ständige Informationen über Schnitt - und Pflegemaßnahmen bei Obstbäumen und der jährlichen Lieferung von Pflanzmaterial steigerte sich sehr schnell das Interesse an der Vereinsarbeit, so dass der Verein in 1935 100 Mitglieder hatte-

Auch nach dem 2. Weltkrieg, infolgedessen auch der Obst – und Gartenbauverein den Verlust von zahlreichen Mitglieder zu beklagen hatte, konnte die Vereinsarbeit problemlos weitergeführt werden, nachdem die damalige amerikanische Militärregierung dem Verein die Erlaubnis dazu erteilt hatte.. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Verschönerungsverein in  den Verein aufgenommen, der in 1903 gegründet wurde, aber seine letzte Jahresversammlung in 1929 abgehalten hatte.

Dieser, zuvor doch recht rührige Verein hatte bis dahin weit über 100 Ruhebänke in Breidenbach gebaut und aufgestellt.   Mit der Übernahme des Verschönerungsvereins begann auch eine Fortführung der Aufgaben dieses Vereins. Um in der Gemeinde Bänke aufzustellen und Ruheplätze zu schaffen wurde für die Finanzierung eine freiwillige Umlage von den Ortseinwohnern  in Vorschlag gebracht. Diese Aktion erbrachte einen Betrag von 796 Mark und schon im folgenden Jahr wurden 27 Bänke in dem Ortsbereich aufgestellt. Das Holz für die Bänke wurde von der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Die Regelmäßige Durchführung von Schnittkursen, Vorträge zu Themen aus dem Obst und Gartenbau, Bereitstellung von Gerätschaften für Baumspritzungen, jährliche Lehrfahrten und Besuche von Gartenbauschauen, oft in eigener Regie oder in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband, führten zu einer ständigen Mitgliedersteigerung.

Durch eine Satzungsänderung mit einer neuen Namensgebung, „Verein zur Förderung des Obstbaus, der Garten und der Landschaftspflege“ in 2001, erweiterte der Verein sein Aufgaben- und Tätigkeitsbereich.

Mit der Anlage eines Waldlehrplatzes auf dem Vereinseigenen Grundstück vor dem Hausberg und mit der Aufstellung von Informationstafeln, leistet der Verein mittlerweile auch einen Beitrag zum Natur – und Landschaftsschutz.

Jährliche Schnittkurse, die Betreuung und Pflege der gemeindlichen Streuobstwiese im Gunterstal, Seminare zur Information im Gartenbau mit Interessengebieten für die Frauen,  die jährlichen Tagesfahrten zu Gartenbauobjekten und die jährliche Kartoffelbratpartie. finden nach wie vor ein großes Interesse bei den Mitliedern und in  der Öffentlichkeit. Mit Veranstaltungen zur Dialektpflege, Fahrradtouren und der Waldweihnacht betätigt sich der Verein aktiv an dem Breidenbacher Dorfgeschehen. Ein beständiger Mitgliederzuwachs in den letzten Jahren, mit mittlerweile 200 Mitgliedern,  bestätigt den Vereinsverantwortlichen dass sie auf einem guten Wege sind. Die Beständigkeit in der Vereinsarbeit wird auch dadurch deutlich, dass es seit der Aktivierung der Vereinsarbeit in 1931, also immerhin über einen Zeitraum von 85 Jahren,  lediglich 7 Vereinsvorsitzende gegeben hat: von 1931 – 1935 Emil Theiß, von 1935 – 1943 Otto Milchsack, von 1943 – 1968  Heinrich Schneider, von 1968 – 1989 Walter Achenbach, von 1989 – 2001 Erich Schneider, von 2001 bis 2011 Karl Heinz Becker, ab dem Jahr 2011 Armin Trust.